Die Geschichte der Hohepriesterin Deione (RP)

    • Die Geschichte der Hohepriesterin Deione (RP)

      Hallo! Ich bin Deione, die Gründerin der Scharlachroten Garde. (Eigentlich bin ich ein Kerl :huh: )

      Ich werde euch hier meine Geschichte und die Geschichte der Entstehung der Scharlachroten Garde erzählen.

      Ich wünsche euch viel Spass beim Lesen und danke für eure Kommentare, eure Kritik und eure Likes. :thumbsup:


      Falls Ihr nach dem Lesen, Lust habt unserer Gilde zu joinen... :D
      ...kommt Ihr hier direkt zu unserer Rekrutierungsseite:

      Die Scharlachrote Garde




      Die Abbildung zeigt Deione die Hoherpriesterin (rechts) und Deashim, ihre Rechte Hand vor dem Banner der Scharlachroten Garde.

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    • Erfolglose Suche

      Die Hufen der zwei trabenden Pferde wirbeln den trockenen Staub der Wüstenlandschaft auf und lassen eine Staubwolke hinter den Reitern entstehen, welche den Pfad hinter ihnen verbirgt. Im dumpfen Licht der Abenddämmerung sieht man die dutzenden Untoten, welche den zwei Reitern folgen, kaum. Die Horde schleift langsam ihre verfaulten Gliedmassen und die rostigen Waffen, umschlungen von den knochigen Fingern durch den Sand. Ihre Kiefer lechzen nach dem Fleisch der Pferde und den Innereien der Reiter bereits seit der Mittagszeit, als die Priesterin und der Ritter aus den Ruinen von Shiftshadow herausgetreten sind. Trotz der Gewissheit der Gefährten über ihre Verfolger, lassen sie sich nicht zu einem Kampf hinreissen. Der Tag war schon kräfteraubend genug und mit jedem weiteren gerittenen Schritt, schwinden die Kräfte.

      Die schwere Rüstung und der schwere Turmschild auf dem Rücken machen die Hitze unerträglich und nagen am Gemüt des hinteren Reiters. Sein Blick untersucht jedoch, trotz Hitze und Erschöpfung, unermüdlich die Umgebung nach möglichen Gefahren. Hinter jedem Felsen kann ein weiterer Untoter kauern und an einem verfaulten Kadaver eines wilden Tieres oder eines gefallenen Söldners nagen. In diesen unruhigen Zeiten ist der Tod in der gesamten Region um die Hauptstadt allgegenwärtig. Sogar der Wind trägt manchmal einen beissenden Geruch von verwesenden Eingeweiden in sich.

      Hin und wieder schwenkt sein Blick auf die, vor ihm reitende Priesterin. Dort wird er von der, im leichten Wind wehenden, roten Haarpracht in dessen Bann gezogen. Die Schönheit der Priesterin lässt sich aus dieser Perspektive nur erahnen. Doch sie ist fast allgegenwärtig in den Gedanken des Ritters und sie lässt ihn die Strapazen der vergangenen Kämpfe für einen Augenblick vergessen. Sein Blick war nur einige Augenblicke auf die Priesterin gerichtet, als sich sein Pferd plötzlich, vor Schreck wiehernd, auf seine hinteren Beine aufstellt und ihn fast abwirft.

      Das kreischende Wiehern reisst die Priesterin aus Ihren Gedanken und ihre Pupillen verengen sich, als sie ihren verträumten Blick wieder fokussiert. Sie reisst Ihren Kopf herum und sieht wie in diesem Augenblick von einem höheren Felsen, an dem Sie bereits vorbeigeritten ist, zwei ghulartige Wesen mit einem gewaltigen Satz herunterspringen. Noch bevor sich die Krallen des kleineren Ghuls in den Hals des, immer noch auf den Hinterbeinen stehenden Pferdes bohren, schreit die Priesterin verzweifelt und mit aller Kraft: "Deaschim, neeeiiin!" Und genau da wird der Ritter vom zweiten, grösseren Ghul am Arm gepackt und vom Pferd gerissen. Mit einem Dumpfen Knall landen der Ritter und der Ghul auf dem staubigen Boden und rollen, ineinander verkrallt, in eine Senke neben dem Reitpfad und damit aus der Sicht der Priesterin. Das Pferd liegt nun auch auf dem Boden und mit letzter Kraft tritt es mit allen vieren wild um sich, doch es hat keine Möglichkeit den festgebissenen Ghul vom blutüberströmten Hals zu stossen. Das Wiehern des Pferdes in seinem Todeskampf und das Grunzen des Ghuls dringen in den Kopf der Priesterin und lassen Sie aufschreien. Vor Wut und Angst verzerrt sich Ihr Gesicht und der Schweiss vermischt sich nun mit Tränen auf ihren Wangen.

      'Wieder eine erfolglose Suche! Wieder starben Menschen ohne eine ansatzweise brauchbare Spur zu finden! Wie kann sie ihren Untergebenen die wiederholten Verluste begründen und erklären?' Die Gedanken zermürben sie.

      Im Galopp reitet die Priesterin am Kampfgeschehen vorbei, in Richtung der untoten Horde, welche eingehüllt in die Staubwolke hinter ihnen, immer wie näherkommt. Sie weiss genau, dass Sie in dieser Situation die Horde in einem Nahkampf nicht besiegen können und Deashim nun auf sich alleine gestellt ist. Noch in einiger Entfernung zu den Untoten verlangsamt sie ihr Pferd und springt, noch bevor es ganz stehenbleibt, von seinem Rücken. Die anfängliche Angst hat sich nun gänzlich in Wut gewandelt. Zähneknirschend und mit zitternden Augenliedern steht sie da und starrt in Richtung der immer näherkommenden Horde. Die Tränen und der Schweiss haben sich auf ihrem Gesicht mit dem Staub vermischt und tropfen nun wie eine graue Suppe auf ihren Gewand. Mit beiden Händen rammt sie ihren Priesterstab vor sich in den Boden. Die Hände zittern und bald auch ihr ganzer Körper. Ein Leuchten tritt aus dem Stab und wird immer heller und heller. Die Luft um sie herum erwärmt sich und fängt an zu vibrieren. Die Aura des Lichtes und der verdichteten Luft wird stärker und stärker. Sie lässt die Horde naher kommen und nutzt die Zeit, ihre Energie zu sammeln und zu bündeln. Das Lechzen der Untoten wird immer wie lauter und der verweste Gestank immer wie stärker. Die ersten Untoten heben bereits ihre Arme um nach ihr zu greifen und beschleunigen ihren humpelnden Schritt. Nur noch eine Armlänge ist zwischen ihr und dem stinkenden Maul des nächsten, skelettartigen Wesens, als die Priesterin plötzlich zu Boden sackt. Die umgebende Aura implodiert in sie hinein. Es wird für einen Moment ganz still und es scheint als würde die Zeit stehenbleiben.

      Der Arm des untoten Wesens wird von seinem Körper gerissen. Auch die restlichen Gliedmassen werden von Torso gerissen und fliegen unkontrolliert durch die Luft. Eine Welle aus verdichteter Luft, Licht und Staub trifft die Untoten mit einer so gewaltigen Kraft, dass diese wie trockenes Laub durch die Luft geschleudert werden. Die meisten Wesen werden in Stücke gerissen und zurück in die Staubwolke gestossen, aus der sie vorhin heraus gehumpelt waren. Diejenigen, welche nicht in Stücke gerissen wurden, können sich nicht mehr aufrichten, da Ihre Gliedmassen nun gebrochen sind und ihr eigenes Gewicht nicht mehr tragen können. Die Priesterin hält sich immer noch an ihrem Stab fest und kniet im Staub. Sie sieht die Tränen und den Schweiss vor ihr in den Staub tropfen und versickern. Die kleinen Krater trocknen in der Hitze sofort aus.

      'Kann es möglich sein, dass sich die Prophezeiung als unwahr erweist? Wird es ihr gelingen diese wiederholten Verluste zu verkraften und das Ziel weiter zu verfolgen?' Die Zweifel fressen sie innerlich auf. Sie kann sich an die Zahl der erfolglosen Suchen nicht erinnern und an die verlorenen Leben will sie sich nicht erinnern! Es waren einfach viel zu viele.

      Der angenehme Druck einer starken Hand auf ihrer Schulter lässt sie ihren Blick aufrichten. Vor ihr ein Teppich aus zerstückelten Untoten und die sich legende Staubwolke. "Deione, lass uns weitergehen. Es wird bald dunkel." hört sie die vertraute Stimme von Deashim sagen. Als sie Ihn ansieht, merkt Sie wie sein Gesicht und sein grauer, langer Bart teilweise von der Säure des Ghuls verbrannt wurden. Zum Glück hat seine schwere Rüstung die meiste Säure davon abgehalten, seinen Körper vollständig aufzulösen. So wie er dasteht mit seinem verbrannten Gesicht und seiner, mit Ghulblut und Ghulsäeure verschmierten Rüstung, ist sich Deione bewusst, dass er dem Tode sehr nahe war. Doch sie weiss auch, dass wenn er gestorben wäre, er sich als unwürdig erwiesen hätte, an ihrer Seite zu kämpfen.

      Sie schenkt ihm ein Lächeln und zeigt ihm damit ihre Freude darüber, dass er sich wiederholt als würdig erwiesen hat. Auf dem Gesicht von Deashim ist kein Lächeln zu erkennen. Die verbrannten Barthaare und die verbrannte Haut lassen einen solchen Gesichtsausdruck nicht zu. Deione ist sich aber sicher, dass er zurück lächelt. Wie er das immer in solchen Situationen macht. Ihre kleine zarte Hand berührt sein entstelltes Gesicht und die Kraft der Heilerin lässt die Verbrennungen verschwinden. Es bleiben wieder einmal Narben zurück in seinem, von vielen vorherigen Kämpen gezeichneten Gesicht.

      Als sie Tore von Caerleon erreichen, ist die Nacht bereits angebrochen. Die Sterne geben kaum Licht und die Nacht ist finster. Die Tore werden nur von Licht der Fackeln erhellt, welche an den dicken Steinmauern angebracht sind. Das Gitter am Tor hebt sich als Deione auf ihrem Pferd und ihr Begleiter, der neben ihr zu Fuss geht, in Sichtweite kommen. Sie treten durch das Tor und eine der Wachen begrüsst sie mit den Worten: "Hoch lebe Deione die Hohepriesterin, hoch lebe die Scharlachrote Garde!" Deione nickt der Wache mit einem emotionslosen Gesichtsausdruck zu und die zwei Reisenden verschwinden bald in den dunklen Gassen der Hauptstadt.

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    • Tödliche List

      Die Ordenshalle ist an diesem warmen Tag in stickigen Dunst gehüllt. Der Geruch, der in der Luft liegt, ist ein Gemisch aus altem Schweiss der sich mit dem Gestank von vertrocknetem Blut vermischt hat und von Weihrauch, welcher verwendet wird um den beissenden Geruch der Abenteurer zu verdecken. In diesen heissen Tagen suchen die Ordensmitglieder etwas Erholung von den Strapazen, die sie bei ihren Patrouillen und Jagden in der Welt von Albion erfahren haben. Sie lassen hier Ihre Wunden heilen und füllen Ihren Proviant wieder auf, um am nächsten Tag wieder als Beschützer von Caerleon in die Wildnis dieser verfluchten Insel, hinaus zu gehen und Ihr Leben für die Stadt und ihre Bewohner hinzugeben.

      Am grössten Tisch in der Mitte des Raumes sitzt Deione. Mit ihr am Tisch sind drei Männer. Obwohl der grosse Tisch, Platz für mindestens ein Dutzend Leute bieten würde und die Halle gut besucht ist, bleiben die vier unter sich. Es hat sich um den Tisch ein Menschenleerer Bereich gebildet, so dass niemand in Hörweite der Versammlung ist. Es wirkt fast so als hätten alle Anwesenden Angst etwas von der Unterhaltung am Tisch mitzubekommen.

      Der Mann zu Deiones Linken ist von stattlicher Statur, doch sein Gesicht ist mit tiefen Falten übersehen. Die Falten und sein graues Lichtes Haar, welches zu einem sauberen Haarschnitt getrimmt wurden, zeugen von seinem höheren Alter. Er ist in ein einfaches Gewand gekleidet, der Morgenstern vor ihm auf dem Tisch und die Narben auf seinem faltigen Gesicht zeigen aber, dass er ein kampferprobter Krieger ist. Die mächtige Keule vor ihm, schimmert in einem purpur-blauen Licht und scheint mit ihrer Leuchtkraft seine Stimmung zu wiederspiegeln. Sie leuchtet auf als er aufspringt, mit beiden Fäusten auf den massiven Holztisch schlägt und seine Stimme erhebt:
      "Deione! Unsere Ordensmitglieder wollen die herben Verluste für deine sinnlose Suche nicht länger hinnehmen! Gestern seid ihr zu fünft aufgebrochen und zurück habt es nur du und Deashim geschafft! Wie oft müssen wir das noch mit ansehen? Wir brauchen die Männer um die gefährlichen Routen um die Stadt zu sichern! Morganas verfluchte Kultisten kommen von Westen immer näher an die Stadt! Die Wachen an den Toren berichten sogar, dass sie Morganas Späher bereits in Sichtweite ihrer Wachposten die Gegend erkunden! Wir müssen etwas unternehmen!"
      Deiones Blick ist auf seine zornigen Augen fokussiert. Ihre Augen strahlen eine enorme Überzeugung aus und zeigen ihrem Gegenüber, dass sie nicht nachbeben wird. Einige Augenblicke lang wird es ruhig am Tisch. Für die Anwesenden scheint es als ob alle Anwesenden in der Ordenshalle die Luft angehalten hätten. Deione wendet Ihren bestimmten Blick nicht ab und schweigt. Die Nerven des Mannes liegen blank und er reisst seine Augen immer weiter auf.
      Doch bevor er in seiner Rage weitersprechen kann, unterbricht Ihn der Mann zu Deiones Rechten:
      "Sennek! Mach jetzt keinen Fehler! Beruhige dich mein Freund! Ich bin mir sicher, dass wir dieses Anliegen auch klären können ohne Dinge auszusprechen, die nicht wieder zurückgenommen werden können."
      Sein Gesicht ist auch vom Alter gezeichnet, doch weist es keine Narben auf, die ihn als Krieger erkennbar machen würden. Auch sein Gewand ist eher das eines Verwalters und nicht dasjenige eines Kämpfers. Er wirkt in diesem Moment beherrscht und der Situation erhaben.
      "Lass uns die Angelegenheit in Ruhe..."
      Er wird wieder harsch von seinem Gegenüber unterbrochen.
      "Agrippus, wie oft müssen wir darüber diskutieren bevor etwas unternommen wird?! wir können diese Geschehnisse nicht einfach ignorieren! Es sind schon so viele von uns gestorben! Und das wofür?!"

      Deione senkt langsam ihren Blick, stützt sich mit beiden Händen auf den Tisch, als wäre es eine enorme Last, die sie zum Aufstehen heben müsste und richtet sich langsam auf. Nun schweigen alle am Tisch. Sennek, der vorhin noch wütend aufgesprungen ist, macht nun einen verunsicherten Schritt zurück und schaut leicht verzweifelt, quer über den Tisch zu Deione. Sie schaut allen in der Runde nacheinander tief in die Augen und sagt ruhig aber bestimmt:
      "Meine Freunde, Ihr müsst wissen, meine Entscheidung ist nicht verhandelbar und ich werde meine Suche fortsetzten. Jedoch nehme ich eure Sorgen sehr ernst und wir werden..."
      Deione unterbricht ihren Satz als Sie sieht wie der dritte Mann am Tisch an seine Hüfte greift, aus seiner entspannten Haltung von seinem Stuhl hochspringt und mit einer plötzlichen Bewegung einen seiner zwei Dolche, genau in Ihre Richtung wirft.

      Die Bewegung, die Deione ausführt ist minimal doch sie reicht aus um dem Dolch auszuweichen, welcher jetzt zwischen ihrem abgedrehten Oberkörper und ihrem angehobenen rechten Arm durchfliegt. Hinter ihr bohrt sich der Dolch tief in den Brustkorb einer heranstürmenden Gestalt. Mit einem Kurzschwert in der Hand ist sie aus der Menge der Abenteurer, in Richtung der Versammlung gestürmt. Die Gestalt wirkt athletisch gebaut, das Gesicht hat sie hinter einem Tuch verborgen, welches auch um die Haare gewickelt ist. Nur ihre strahlend blauen Augen sind zu sehen, die jetzt vor Schreck und Schmerzen weit aufgerissen sind. Sie humpelt nur noch drei Schritte weiter und fällt Deione vor die Füsse. Die blauen Augen starren Sie an und die Hand, welche um den Griff des Kurzschwertes geklammert ist versucht einen Hieb in Deiones Richtung auszuführen, doch die Kraft reicht nicht mehr aus.
      Der Werfer des ersten Dolches ist mit drei schnellen Sätzen über den Tisch gesprungen, seinen zweiten Dolch in der Hand halten, hechtet er mit dem vierten Satz in Richtung der verschleierten Gestalt, packt sie noch im Flug am Hals, drückt sie nieder auf den Boden und landet mit einem angewinkelten Knie auf deren Brustkorb. Die Rippen brechen hörbar unter der Last. Das Tuch vor dem Mund färbt sich tief rot vom ausgespuckten Blut.

      "Grummbart, Halt!" schreit Deione.
      "Lass es mich beenden, Deione! Ich werde diesem Bastard seine Eier abschneiden und sie ihn fressen lassen bis er daran erstickt!" Erwidert der Mann zähnefletschend.
      "Grummbart! Hör auf damit! Wir werden die Person noch verhören müssen!"
      Grummbart wendet seinen Blick Deione zu, starrt wütend in ihre Augen und mit einer plötzlichen Bewegung stösst er den Dolch nieder.
    • Die Gefangene

      Der Dolch hat den Kopf des Angreifers knapp verfehlt und ist mit einem dumpfen Knall in den Holzboden geschlagen worden. Das Tuch, welches um den Kopf des Angreifers gewickelt ist, wurde an der Schläfe durchgeschnitten und vom Blut, dass aus der Region des linken Ohrs herausströmt, dunkelrot verfärbt. Der Angreifer lässt noch einen letzten, qualvollen Schrei von sich bevor er in Ohnmacht fällt und regungslos auf dem Boden, unter dem Knie von Grummbart liegen bleibt.
      Grummbart selbst ist noch nicht so alt wie die zwei anderen Herren am Tisch und deshalb auch etwas stürmischer in seinem Verhalten. Sein Gesicht ist noch nicht gezeichnet von vergangenen Kämpfen und es hat keine Falten, die seine Erfahrung zeigen würden. Sein schnelles und erfolgreiches Eingreifen in die Attacke, zeigt jedoch sein kriegerisches Geschick. Er hat seinen Blick nun auf die Person am Boden gerichtet und sieht zuerst den Dolch neben dem Kopf, mit einem schnellen Ruck heraus. Für den zweiten Dolch lässt er sich auffällig mehr Zeit. Es scheint sogar als würde er den Dolch zuerst etwas tiefer in den Brustkorb drücken, bevor er ihn ganz langsam herauszieht, am Gewand des Angreifers abstreift und wieder in seine Scheide steckt. Als er dem Angreifer das, vom Blut durchtränkte Tuch vom Gesicht zieht, kommt ein zierliches, weibliches Gesicht zum Vorschein. Alle anwesenden schauen überrascht, als sie bemerken, dass der Angreifer eine Frau ist und ein Gemurmel geht durch die Menschenmenge.

      Genau in diesem Moment taucht auch schon Deashim aus der Menschenmenge auf. Er legt seine Hand auf die Schulter von Grummbart und zieht ihn leicht von der Angreiferin weg. "Beruhige Dich mein Freund! Ich danke Dir für deinen mutigen und schnellen Einsatz, doch jetzt musst du dich wieder zusammenreissen! Strapaziere meine Geduld nicht noch weiter!" Grummbart dreht sich wortlos um und läuft zähneknirschend durch die Menschenmenge aus der Gildenhalle heraus.

      Deione kniet nun neben der Angreiferin. Mit einer Hand hält sie Ihren Priesterstab und die andere Hand hat sie auf die Stirn der Angreiferin gelegt. Sie murmelt etwas Unverständliches vor sich hin und der Stab beginnt in einem grellen Licht zu strahlen. Die anwesenden sehen wie sich die riesige, blutige Wunde am Kopf der Angreiferin langsam verschliesst und die Blutung aufhört. Da wo ihr linkes Ohr war, ist jetzt eine hässliche Narbe und der offene Gehörgang ist zu sehen.
      Die Heilkraft von Deione kann auch grosse Verletzungen heilen, jedoch kann auch sie, verlorene Gliedmassen nicht einfach nachwachsen lassen. Klar erkennbar, bewegt sich der Brustkorb der Frau bei jedem Atemzug wieder auf und ab. Ein leises Seufzen ist zu hören.

      "Wachen, bringt die Frau zum Verhör in den Kerker!" Ruft Deashim den zwei gross gewachsenen Männern hinter sich zu und richtet seinen Blick auf Deione. "Die Frau muss lebensmüde oder stark verzweifelt sein, wenn sie dich hier angreift. Die Kämper des Widerstandes werden immer wie waghalsiger! Wir müssen unser Tun überdenken!"
      Deione richtet sich vor Deashim auf und sieht ihn mit einer Überzeugung an, als ob sie die Situation vollkommen unter Kontrolle hätte. Ihre Stimme ist ruhig und bestimmt. Ihre Worte spricht sie so leise, dass sie nur von Deashim und den zwei Wachen, die mit dem Wegtragen der Frau beschäftigt sind, zu hören sind. "Deashim bitte begleite mich ein Stück. Ich möchte mich etwas zurückziehen und mich von den Strapazen der letzten Tage erholen."
      Er wirft den Wachen einen Blick zu und mit einem einfachen Nicken gibt er ihnen zu verstehen, dass sie weitermachen sollen und dass er Deione begleiten wird. Sie nicken ihm bestätigend zurück.
      Deione geht durch die Menschenmenge durch, welche sich mittlerweile um den Schauplatz des Angriffes gebildet hat und geradewegs heraus aus der Gildenhalle, dicht gefolgt von Deashim, der nun die Umgebung noch genauer im Blick behält als sonst.

      Die leichte Brise macht die Hitze etwas erträglicher. Auch ist die Luft vor der Gildenhalle nicht annähern so stickig wie sie es drinnen war. Hinter Deione und Deashim wird das grosse Eingangstor von den davorstehenden Wachen geschlossen. "Lass uns noch die Füsse etwas vertreten bevor ich mich in meine Gemächer zurückziehe, Deashim." Sie schlendert auf dem Pflastersteinweg, der von der Gildenhalle wegführt, als würde sie einen Sonntagsspaziergang unternehmen. Deashim hingegen läuft mit einem strammen Schritt neben ihr her und sein Blick schwenkt von Haustür zu Haustür und von einer Hausecke zur anderen, als ob er jederzeit einen neuen Angriff erwarten würde. Es nagt immer noch an ihm, dass er am Tag zuvor die Ghule nicht bemerkt hat, die ihn fast getötet hätten. "Der Frau darf im Kerker nichts zustossen." setzt Deione fort. "Ich spüre etwas Besonderes an ihr. Als ich sie vorhin geheilt habe, durchdrang mich ein starkes Gefühl von Vertrautheit. Es war ein Gefühl wie ich es spüre, wenn ich dich heile, Deashim! Bitte finde heraus wer sie ist und was ihre Beweggründe für den Angriff waren aber füge ihr kein grosses Leid zu! Ich muss zuerst wissen wer sie ist!" Sie wendet den Blick ihrem Begleiter zu.
      "Deione, wer diese Person auch war, sie wollte dich gerade vor deinen Leuten hinrichten. Sie hätte den Tod durch Grummbarts Klinge verdient! Wir dürfen keine Schwäche gegenüber unseren Feinden zeigen! Wir werden auch kein Mitleid von ihnen erfahren!"
      "Du musst mir in dieser Hinsicht vertrauen Deashim, diese Person hat etwas an sich, dass mich stark beunruhigt. Wir müssen..." Ihre Worte werden von einer lauten Männerstimme unterbrochen.
      "Deashim! Die Gefangene ist entkommen!"
      Deashim dreht sich um und sieht, wie eine der Wachen, die vorhin die Gefangene weggebracht hat, jetzt humpelnd und sich am Oberarm haltend, ihnen entgegenkommt. Er lässt sich vor Deashim auf die Knie fallen. "Sie hat uns überrumpelt... die zweite Wache ist tot... wir konnten nicht..."

      Deashims Hände umschlingen den Hals der Wache und er hebt ihn mit beiden Händen in die Höhe als wäre der Mann, ein mit Stroh gefüllter Sack. Das Gesicht des Mannes läuft rot an und die weit aufgerissenen Augen sehen so aus, als ob sie gleich aus seinem Gesicht springen würden. Deashim drückt noch fester zu.
    • Die Flucht

      Der Kerker der Gildenhalle ist dunkel und wird nur durch das Licht der wenigen Fackeln, die an den steinigen Wänden angebracht sind, erhellt. Die Luft hier ist feucht und riecht modrig. Durch die knapp geöffneten Augen erkennt die Frau mit den strahlend blauen Augen, an den feuchten Steinwänden und am Geruch in diesem Gang, dass sie sich gerade irgendwo unter der Erde befindet. Sie hat ihr Bewusstsein erst gerade erlangt und hat daher nicht realisiert, wie sie an diesen Ort gebracht wurde und sie hat keine Ahnung wo sie gerade ist. An den Angriff kann sie sich jedoch noch genau erinnern. An den Schmerz in ihrer Brust, als sie der Dolch traf. An den Schmerz, als der Mann mit seinem Knie, ihre Rippen gebrochen hat und an den hasserfüllten Blick des Mannes, als er mit dem Dolch auf ihrer Brust kniete. Danach hatte sie die Augen geschlossen und spürte noch einen letzten Stich an ihrer linken Schläfe bevor sie das Bewusstsein verlor. Sie hätte tot sein sollen.

      Jetzt wird sie gerade von zwei gross gewachsenen Männern getragen. Der eine ist auf ihrer rechten und der andere auf ihrer linken Seite. Sie tragen die Frau an ihren Armen. Ihr Kopf hängt herunter mit dem Gesicht zum Boden und die Beine schleifen über den steinigen Boden hinter ihr her. Sie lässt es sich nicht anmerken, dass sie wach ist und hört wie die Wachen miteinander reden.

      "Du hast recht! Wenn diese Schlampe gewusst hätte wer da am Tisch sitzt, wäre sie wohl kaum so irre gewesen und hätte Deione angegriffen! Dieser Grummbart ist ein verdammt flinker Kerl. Hast du gesehen wie er die Kleine überwältigt hat? Die wusste gar nicht was ihr geschieht." Zwischen den Sätzen lacht die Wache hämisch, hält sich dabei den Bauch, lockert dabei kurz den Griff um den Arm der Frau und stolpert in diesem Augenblick leicht über einen feuchten Stein.
      Die andere Wache lacht noch lauter. "Ich hätte liebend gerne ihr Gesicht... arrghh" seine Wörter werden durch ein Keuchen und Grunzen unterbrochen. Das Kurzschwert, welches quer in seinem Hals steck, hat seine Luftröhre und die Hauptschlagadern durchtrennt. Er fällt mit weit aufgerissenen Augen auf seine Knie und dann mit dem Gesicht auf den steinigen Boden.

      Die unbekannte Frau konnte sich aus dem Griff der Wache lösen, als die auf dem nassen Boden ausgerutscht ist und ihm sein Schwert entreissen. Dieses hat sie mit einem blitzschnellen Hieb in den Hals der einen Wache gerammt und ist nun mit der zweiten wache beschäftigt. Mittlerweile wurde sie, von der noch lebenden Wache, mit beiden Armen um den Rumpf gepackt und in die Luft gehoben. Sie schlägt mit ihren unbewaffneten Händen ins Gesicht des Kräftigen Mannes, was ihn jedoch nur noch wütender macht. Er zieht den Griff um ihren Rumpf noch fester an. Die Luft bleibt ihr weg und die Schmerzen in ihrem Unterlaib sind kaum auszuhalten. Der Mann sieht ihr ins Gesicht, drückt immer wie fester zu und grinst dabei. Doch das Grinsen wechselt in ein lautes Schreien als die Frau, eine kurze Klinge herauszieht, welche unter ihrem Gürtel versteckt war und diese in den Oberarm der Wache rammt. Der stich ist nicht tief, jedoch ist er gut platziert und der Mann kann durch den eintretenden Schmerz, seinen Griff nicht mehr halten. Er lässt die Gefangene fallen.

      "Aaarrgh! Du verdammte Hure!" hört die Frau ihren Peiniger schreien, bevor sie ihm mit einem gezielten Tritt in sein Knie, die Beweglichkeit nimmt und sich mit einem Satz aus seiner Reichweite rettet. Mit langen Schritten läuft sie nun in die Richtung aus der sie mit den zwei Männern gekommen ist. Ihr Kopf schmerzt in der Region der Schläfe. Sie fasst mit ihrer Hand an die linke Seite ihres Kopfes und merkt, dass an der Stelle wo ihr Ohr war nun der Gehörgang frei liegt. Der Schreck bringt sie zum Stolpern, jedoch kann sie sich wieder fangen und weiter rennen. Tränen füllen ihre Augen und sie sieht das Gesicht des Mannes, welcher ihr das angetan hat, in ihren Gedanken vor sich. "Ich werde dich töten Du Bastard!" Sagt sich die Frau zähneknirschend während sie an den verschlossenen Kerkertüren vorbeiläuft, welche an beiden Seiten des Korridors zu sehen sind. Die eng gewundene Treppe am Ende des geraden Ganges, die nach oben führt, ist der einzige Weg den sie nehmen kann und so rennt die Frau weiter und nimmt mit jedem Schritt zwei Stufen gleichzeitig.

      "Komm her Du stück Scheisse! An mir kommst Du nicht vorbei!" Hört sie eine Wache von oben rufen. Diese muss das Geschrei von Kampf im Kerker gehört haben und kommt ihr nun entgegen. Als die Wache in ihrem Blickfeld auftaucht holt diese bereits zum Schlag mit dem Schwert aus. Die Frau nutzt die Situation blitzschnell aus und wirft sich mit einem Hechtsprung der Wache entgegen und rammt sie mit den Schultern in die Schienbeine. Der Hieb mit dem Schwert ist viel zu spät und unplatziert, sodass der Schwung und der Stoss in die Beine den Mann aus dem Gleichgewicht bringen und er dadurch die Treppe herunterstürzt. Er rollt die Treppe herunter und die Frau hört, wie ihr Verfolger vom herunterfallenden Körper aufgehalten wird. Sie setzt ihre Flucht fort und hört dabei ein unverständliches Fluchen, der zwei Wachen aus dem Kerker.
      Während sie dem Wächter in die Beine gesprungen ist, konnte sie geistesgegenwärtig den Schlüsselbund von einem, um die Hüfte der Wache gebundenen Riemen herunterreissen und versucht jetzt einen Schlüssel nach dem anderen an der letzten Tür zur Freiheit aus. Während Sie immer noch nach dem passenden Schlüssel sucht, ist zu hören wie die beiden Wachen wieder die Treppen hoch rennen und laut die Frau und die Situation verfluchen. Der nächst Schlüssel passt und sie kann die Türe öffnen, hindurch schlüpfen und die Türe hinter sich verschliessen noch bevor sie die herannahenden Wachen aufhalten können.

      Als die Wache durch das vergitterte Fenster an der verschlossenen Türe blickt, sieht sie nur noch einen Schatten hinter der nächsten Ecke verschwinden. Im Blick des Mannes ist grosse Wut zu sehn aber die Angst überwiegt eindeutig.
      "Wir müssen die Türe aufbrechen und die Flucht so schnell wie möglich an Deashim melden." flüstert er mit einer zittrigen Stimme zu seinem Kameraden hinter sich. Dieser schweigt nur.

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